Meine bisherige digitale Laufbahn

Der Anfang

Als ich zum ersten Mal einen Computer verwendet habe, war ich erst 8 Jahre alt. Meine Schwester hatte die Welt der Browserspiele entdeckt, und meine Familie wollte mich wahrscheinlich damit ablenken. Nach dieser ersten Konfrontation mit Technologie habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich verwende. Ich habe nach Spiele gesucht, und dann gespielt. So habe ich mutmaßlich mehrere Monate lang weitergemacht, bis ich irgendwie dazu gekommen bin den #1 Videospieleklassiker meiner Kindheit zu downloaden: Cave Story. Ein echt cooler, in Japan entwickelter und quell-offener Platformer. Meine Schwester hat es sehr schnell bereut mir beizubringen wie man einen Computer verwendet: da ich damals noch kein Wort Englisch gekonnt habe, habe ich sie natürlich die ganze Zeit damit genervt, Dinge für mich zu übersetzen.

Ein Screenshot aus dem originalen Cave Story.

Interessanter Weise konnte ich mit einer Kombination täglichen Englischunterrichts, Videopsielen und das nerven meiner Schwester erreichen, dass ich mit 15 Jahren mehr oder weniger fließend Englisch sprechen konnte.

Natürlich habe ich auch in der Schule Freunde gefunden, mit denen ich über Videospiele reden konnte. Von da war es eine endlose Schleife von Windows 7, des Herunterladens von „free-to-play“ MMORPG-s (hallo? Metin 2?), des illegalen Herunterladens von anderen Spielen, von Computerviren, von Skype und natürlich wurde ich immer und immer interessierter an Technologie. Nur durch das Herunterladen und das Installieren illegaler Software konnte ich sehr viel darüber lernen, wie Windows funktionierte. Oder wohl eher, wie es nicht funktionierte. Schon ab einen jungen Alter war ich äußerst empört, dass ich auf meinem eigenen Computer nicht alles machen konnte, was ich machen wollte.

Eine Runde Applaus an Sonys PSP, das zum ikonischsten Gerät meiner Kindheit geworden ist.


Meine „Google-Phase“

Ich kann es heute selber kaum glauben, aber ich war vor nicht allzu langer Zeit ein Google Fanboy. Ich habe jeden damit vollgequatscht, wie toll Google Produkte sind, ähnlich wie ich heute jeden damit vollquatsche wie toll FLOSS ist. Ich habe fest und ehrlich daran geglaubt, dass Google Produkte die besten auf Erden sind. Wie könnte es anders sein? Alles woran ich gearbeitet habe war sofort sicher im Cloud gespeichert, und ich konnte auf allen meinen Geräten einfach weitermachen. Als ich aus Versehen die eine Seite gefunden habe, wo man alle Orte sehen kann die man besucht hat, war meine Reaktion tatsächlich „wow, wie cool!“.

Es war Magie. Es war Sci-Fi. Es war die Zukunft.

Ich sah die Zukunft in der geschmeidig laufenden Cloudtechnologie. Würde ich Leute mit Desktop Applikationen leiden sehen, habe ich nicht-allzu-nett darauf hingewiesen, dass alles was man braucht schon in der Cloud vorhanden ist. Undzwar gratis (damals war „frei“ wie in „Freiheit“ noch kein Schwerpunkt für mich). Damals sah ich noch nicht, dass sowas langfrisitg der Demokratie schaden könnte, oder dass es gegen sämtliche moralische und legale Aspekte des Datenschutzes verstößt. Das Einzige, was mich interessierte war die Nützlichkeit von Google, und der Glaube daran, dass ich die bestmögliche Lösung verwendete.

Diese Phase hat viele Jahre gedauert. Ich würde sagen, dass ich ca. 4 Jare lang Google Fanboy war, bis ich die vielen Probleme von Google zu bemerken anfing. Ich hatte die 10GB Kapazität auf Google Drive erreicht. Ich dachte mir, da ich diesen Service so toll finde, könnte ich mir 100GB Speicherplatz gönnen. Aus irgendeinem Grund wollte Google meine Bankkarte nicht akzeptieren. Ich habe Tage lang versucht diesen ominösen Fehler zu beheben. In diesem Augenblick merkte ich, dass

eine der größten und reichsten Firmen der Welt, mein Held, Google, keinen 24/7 Support hat. Tatsächlich hat Google überhaupt kaum einen Kundensupport.

Oder zumindest nicht in 2018. Zu versuchen, mit einen lebendigen, bei Google arbeitenden Menschen zu erreichen bedeutete, auf eine Schnitzeljagd von versteckten Telefonnumern zu gehen. Ich habe damals einen sehr interessanten Blogbeitrag gelesen, wo eine Dame ihre schreckliche Erfahrung mit dem Google Customer Support beschrieb. Leider konnte ich diesen Blogbeitrag nicht wiederfinden.
Jedoch war dieser äußerst vermeidenswerte Weg nur dann eine Option, wenn man in den Vereinigten Staaten wohnt. Für die EU gab es 0 Kundensupport, was bedeutete, dass ich keineswegs meine 100GB Speicherplatz erwerben konnte.

Nach diesem Vorfall fand ich immer mehr Probleme mit Google, ich wurde immer bewusster über meine Privatsphäre, bis ich mich schließlich dazu entschied Google loszuwerden (darüber werde ich später noch schreiben). Es war keine einfache Entscheidung, da mein kompletter Arbeitsablauf auf Google Drive und Gmail basierte. Dachte ich. Es stellte sich nämlich heraus, dass der schwierigste Teil das Umstellen der E-Mail-Adresse bei jedem Konto, wo ich mich mit meiner Gmail registriert habe.

Ein (sehr) kleiner Auszug aus dem sog. Google Graveyard, eines der vielen Probleme von Google. Quelle: killedbygoogle.com

Kurz gesagt,

dass Google meine eigentlich einwandfrei funktionierende Bankkarte nicht akzeptieren wollte, hat meine Augen zur Realität geöffnet.

Manchmal wundere ich mich, ob ich bis häute ein Google Fanboy geblieben wäre, wenn ich die 100GB einfach kaufen gekonnt hätte…


Mein ewiger Kampf mit Microsoft

Anders als Google, habe ich Microsoft Windows schon immer gehasst. Langsam, buggy und limitiert. Sogar in der Pro Version hat man null Kontrolle über den eigenen Rechner. Wieder anders als Google, habe ich immer nach einen Weg gesucht Windows für Linux zu verlassen. Windows hat mich von Zeit zu Zeit so wütend gemacht, dass ich einfach eine beliebige Linux Distribution installierte. Jedes Mal musste ich aber zurück zu Windows, mesit wegen Bugs und Videospielen.

Auch dies hat lange Jahre gedauert, bis eines Tages Windows 10 ein neues Update erhielt. Nach diesem Update sah mein Startmenü quasi so aus:

Werbung. Überall nur Werbung. Als ob das nicht genug wäre, fing Windows an autonom und ohne meine Erlaubnis zufällige Software aus dem Microsoft Store zu installieren. Sogar nach dem Ausschalten von diesem „Feature“, hat mich mein mehrere-hundert-euro-kostendes Betriebssysten weiterhin mit unerwünschter Werbung und Apps gequält. Ich bin absolut ausgerastet und habe schließlich (nach diversen Abenteuern mit OpenSUSE, Fedora und Debian) Windows mit Pop!_OS ersetzt. Seitdem nutze nichts anderes… außer…


Mein ideologischer Niedergang

Es war an der Zeit meinen Rechner mit einem Upgrade zu versehen, wenn ich auch weiterhin qualitativ hochwertige Videospiele konsumieren wollte. Auch der PSU machte mir Stress, also wollte ich auch den ersetzen. Jedoch stellte sich heraus, dass ich für den gewünschten Upgrade mehr als 600€ ausgeben müsste, da modernere Prozessoren einen anderen Socket benötigen, weshalb ich auch den Motherboard hätte ersetzen müssen. Viel teurer als geplant.

Aus diesem Grund habe dann Konsolen in Erwägung gezogen. Viel billiger und doch fähig alle neuen Videospiele laufen zu lassen. Für Multiplayer mit meinen Freunden könnte ich immernoch meinen alten Rechner verwenden. Meine erste Wahl wäre natürlich die überlegene PS5 gewesen, aber dann entschied sich Microsoft dazu Bethesda zu kaufen, da bin ich ein bisschen neugierig geworden, spezifisch über die Series S. Im Vergleich zur PS5 ist die Series S viel kleiner und 200€ billiger. Nicht schlecht. Da habe ich mehr recherchiert und folgendes erstellt:

PS5Series S
riesiges Monolithkleine Box
500€300€
Genial, ich weiß…

Aber letztendlich wurde meine Entscheidung dadurch beeinflusst, dass Videospiele in den kommenden Jahren 70-80€ Jahren kosten werden. Das bedeutet, dass ich mir nur 2 Spiele pro Jahr leisten könnte. So würde ich die Konsole nicht viel verwenden können. Meine Budgetlösung: Series S + Microsoft Game Pass. Mit einer Einmalzahlung von 300€ und einer jährlichen Ausgabe von ca. 156€ ist diese Lösung am kosteneffektivsten.

Leider, um den Game Pass im vollen Maße ausnutzen zu können musste ich Windows auf meinem Rechner installieren.

Der Gedanke, wieder Windows auf meinem Rechner zu haben war ärgerlich, jedoch gab es keine Alternative: der Microsoft Store funktioniert ausschließlich auf Windows. Um meinen Idealen treu zu bleiben, habe ich mich dazu entschieden, Windows ausschließlich für Videospiele zu verwenden. Für alles andere habe ich meinen Dell Vostro mit Pop!_OS.


In Conclusio

Wie man deutlich erkennen kann gibt es mit Technologie ein ständiges auf und ab, und am Ende müssen wir alle Kompromisse eingehen, damit wir uns gut in unserer Haut fühlen können. In der Zukunft werde ich noch im Detail auf diese Themen eingehen, ich werde aber auch mit meiner Serie von Artikeln beginnen, wo ich darüber rede, wie man sich von „Big Tech“ begreien kann. Da ich ein paar Dinge in diesem Artikel weggelasen habe, wie meine Abenteuer mit der Raspberry Pi und mein Leiden für ein Google-freies Smartphone, kann es ein, dass ich auch über diese berichten werde.

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